Von Wüsten, Wüstungen und Verwüstungen
"Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt"
Dieses wohl berühmteste Wüstenzitat der Weltliteratur aus dem "Zarathustra" Friedrich Nietzsches wirft, die philosophische Dimension einmal außer Acht gelassen, sofort auch die Polyvalenz des Begriffes Wüste auf. Eine Wüste und das was sie ist, ist immer untrennbar mit dem verbunden, der über sie spricht. Der Eine spricht vielleicht von einer realgeographischen Wüste, ordnet diese in seinem Kategoriengebäude nach Sand-, Stein-, Wasser-, Gras-, Trocken-, Halb-, etc.- wüsten. Der Andere spricht von metaphorischen Wüsten, oder auch von seelischen Wüsten: "...dass wir, die wir nicht der Wüste entstammen, aber in ihr leben, in der Lage sind, die Wüste in eine menschliche Welt zu verwandeln.", schreibt Hannah Arendt. Jede Wissenschaft und ihre Kategoriengebäude, jeder Mensch und jede menschliche Beziehung oder jedwedes menschliche Tun birgt oder verdeckt Wüsten.
Die Wüste als Metapher steht auch für den Ort der Leere, für den Ort ohne Horizont, für außergesellschaftliche Einsamkeit, für Verlassenheit. Derrida spricht sogar von dem furchterregenden Abgrund der Wüste in der Wüste: "Jenes, was man noch kommen lassen muss, jenes, was dadurch bleibt, dass man es kommen lässt." Der Künstler denkt hier unweigerlich an das unbeschriebene Blatt Papier, die noch jungfräuliche Leinwand, das unberührte Material: Die Wüste, die es zu bearbeiten gilt, der Gedächtnis-, Schreib- und Schaffensprozess.
"Von Wüsten, Wüstungen und Verwüstungen" ist die Fortsetzung des 2005 begonnenen deutsch-polnischen Künstlerdialoges "Philosophen in der Ruhmeshalle" im Dom Kultury Zgorzelecz und in der Galerie Klinger. |
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